In Onlineshops mit Produktsets stellt sich regelmäßig dieselbe Frage: Wie kommunizieren Sie den Preisvorteil eines Sets, wenn der Gesamtbetrag auf den ersten Blick teurer wirkt als ein Einzelartikel? Ein Beispiel aus der Praxis: Ein 2er Set kostet 120 Euro, der Einzelartikel 90 Euro. In der Set-Variante zahlen Ihre Kunden pro Stück allerdings nur 60 Euro statt 90 Euro. Das ist ein deutlicher Vorteil, der jedoch häufig untergeht, weil die Wahrnehmung am höheren Gesamtpreis hängen bleibt.
Warum die Einzelpreisberechnung bei Sets Sinn macht
Genau an dieser Stelle setzt die Einzelpreisberechnung in Shopware 6 an. Mit dieser Funktion machen Sie den tatsächlichen Preisvorteil eines Sets sichtbar, statt ihn von Ihren Kunden errechnen zu lassen. Das reduziert den wahrgenommenen Preisschmerz und wirkt direkt auf die Conversion. Die gute Nachricht: Shopware 6 bringt mit der Grundpreis-Funktion bereits alles mit, was Sie dafür brauchen.
In dieser Anleitung sehen Sie Schritt für Schritt, wie Sie die Einzelpreisberechnung für Ihre Produktsets einrichten und worauf Sie dabei achten sollten.
Was ist die Grundpreisberechnung und wie hilft sie Ihnen?
Die Grundpreisberechnung in Shopware 6 war ursprünglich nicht für Produktsets gedacht. Sie kennen die Mechanik aus dem Supermarkt: Der Preis pro 100 Gramm wird angezeigt, damit Sie unterschiedliche Packungsgrößen vergleichen können. Genau diese Logik lässt sich für Sets umfunktionieren. Der Bezugswert ist dann kein Gewicht, sondern ein einzelnes Stück aus dem Set.
Das Ergebnis: Ihre Kunden sehen sofort, was ein einzelnes Produkt aus dem Set effektiv kostet. Der Mehrwert eines Sets wird damit auf einen Blick begreifbar, ohne dass Sie es im Marketingtext extra erklären müssen.
Schritt 1: Die Produkteinheit anlegen
Bevor Sie ein Produkt bearbeiten, legen Sie zunächst die benötigte Produkteinheit in den Einstellungen an. Das spart später Zeit, weil Sie bei der Produktbearbeitung direkt auf die passende Einheit zugreifen können.
Navigieren Sie in der Administration zu "Einstellungen" und dort zu "Produkteinheiten". In früheren Versionen hieß dieser Bereich noch "Maßeinheiten", die Funktion ist aber identisch. Hier sehen Sie bereits einige vordefinierte Einheiten.
Falls die passende Einheit für Ihr Produkt fehlt, legen Sie sie neu an. Klicken Sie auf "Produkteinheit erstellen" und tragen Sie sowohl die Langform als auch die Kurzform ein. Für Stückzahlen geben Sie beispielsweise "Stück" als Langform und "Stk." als Kurzform an.
Sobald die Produkteinheit angelegt ist, steht sie Ihnen bei der Produktbearbeitung zur Verfügung und Sie können nahtlos mit der Einrichtung Ihrer Sets fortfahren.
Schritt 2: Ihr Produkt vorbereiten
Jetzt legen Sie Ihr Produkt in Shopware an oder öffnen ein bestehendes Produkt. Für dieses Beispiel arbeiten wir mit einem Testprodukt, das als 2er Set für 120 Euro verkauft wird.
Öffnen Sie das Produkt in der Shopware Administration und prüfen Sie zunächst, ob der Preis korrekt hinterlegt ist. In unserem Fall sind das 120 Euro für das komplette Set.
Schritt 3: Die Spezifikationen Ihres Produkts anpassen
Jetzt kommen wir zum Herzstück der Einzelpreisberechnung. Die relevanten Einstellungen finden Sie im Bereich der Spezifikationen Ihres Produkts.
Hinweis zur Shopware Version: Die Darstellung unterscheidet sich je nach Version leicht. In Shopware 6.7 finden Sie einen eigenen Bereich namens "Spezifikationen". In Shopware 6.6 sind die Felder unter "Produktmaße" und "Verkaufs- und Verpackungsinformationen" zusammengefasst. Die Bezeichnungen der einzelnen Felder bleiben identisch, sodass Sie sich schnell orientieren können.
Im Bereich der Spezifikationen sehen Sie den Abschnitt "Verkaufs- und Verpackungsinformationen". Diese Information wird später Ihren Kunden in der Storefront angezeigt. Hier finden Sie die entscheidenden Felder für die Einzelpreisberechnung.
Schritt 4: Die Verkaufseinheit festlegen
Das erste wichtige Feld ist die Verkaufseinheit. Hier tragen Sie ein, wie viele Einheiten Sie in einem Set verkaufen. Shopware weist darauf hin, dass diese Angabe für die Grundpreisberechnung notwendig ist und der Wert von der gewählten Maßeinheit abhängt.
Für unser 2er Set tragen Sie hier die Zahl 2 ein. Damit geben Sie an, dass Sie zwei Stück dieses Produkts als eine Verkaufseinheit anbieten.
Wichtig zu wissen: Der Grundpreis wird nur angezeigt, wenn Verkaufseinheit und Grundeinheit unterschiedliche Werte haben. Wenn beide Felder den gleichen Wert hätten, würde keine Einzelpreisberechnung erscheinen.
Schritt 5: Die Produkteinheit auswählen
An dieser Stelle profitieren Sie von der Vorarbeit aus Schritt 1. Wählen Sie bei der Produkteinheit "Stück" aus dem Dropdown-Menü aus, oder die Einheit, die Sie selbst angelegt haben. Die Einheit steht Ihnen direkt zur Verfügung und Sie können ohne Unterbrechung weiterarbeiten.
Schritt 6: Die Grundeinheit definieren
Das letzte entscheidende Feld ist die Grundeinheit. Hier legen Sie fest, auf welche Menge der Preis heruntergerechnet werden soll. Für unsere Einzelpreisberechnung tragen Sie hier die 1 ein.
Das bedeutet: Shopware rechnet den Gesamtpreis von 120 Euro auf 1 Stück herunter und zeigt Ihren Kunden damit den Einzelpreis von 60 Euro an.
Speichern Sie Ihre Änderungen ab.
Schritt 7: Den Cache leeren und das Ergebnis prüfen
Nach dem Speichern fehlt noch ein wichtiger Schritt, damit Ihre Änderungen im Frontend sichtbar werden: das Leeren des Caches.
Gehen Sie dazu in der Administration zu "Einstellungen", dann zu "Caches und Indizes" und klicken Sie auf "Cache leeren". Dieser Schritt ist nötig, weil Shopware ohne Cache-Leerung die alten Daten weiterhin ausspielt. Diese Stelle ist erfahrungsgemäß die häufigste Fehlerquelle, wenn Konfigurationsänderungen scheinbar nicht greifen.
Sobald der Cache geleert ist, rufen Sie Ihr Produkt im Frontend auf. Unterhalb des Preises von 120 Euro erscheint nun die Information "Inhalt: 2 Stück für 60 Euro pro 1 Stück". Damit ist das Ziel erreicht. Ihre Kunden sehen auf einen Blick, dass sie pro Artikel nur 60 Euro zahlen, obwohl der Gesamtpreis bei 120 Euro liegt.
Schritt 8: Die Darstellung mit der Verpackungseinheit optimieren (Optional)
Die Anzeige funktioniert jetzt bereits korrekt, lässt sich aber noch klarer gestalten. Aktuell steht dort "2 Stück" und "pro 1 Stück". Das ist sachlich richtig, kommuniziert aber noch nicht eindeutig, dass es sich um ein Set handelt.
Hier kommt die Verpackungseinheit ins Spiel. Gehen Sie zurück in Ihr Produkt und füllen Sie das Feld "Verpackungseinheit" aus. Tragen Sie zum Beispiel "Set" ein. Bei der Verpackungseinheit Mehrzahl tragen Sie "Sets" ein.
Speichern Sie die Änderungen und leeren Sie erneut den Cache. Wenn Sie jetzt Ihr Produkt im Frontend aufrufen, sehen Sie eine deutlich klarere Darstellung: "1 Set, 2 Stück, 120 Euro" und darunter "60 Euro pro 1 Stück".
Damit ist für Ihre Kunden unmissverständlich klar: Ein Set mit zwei Stück kostet 120 Euro, und sie können auch mehrere Sets kaufen. Die Information ist transparent und professionell aufbereitet.
Erweiterte Möglichkeit: Verschiedene Mengen mit Varianten anbieten
Die Einzelpreisberechnung für ein einzelnes Produktset ist bereits ein wirksamer Hebel. Mit der Varianten-Logik in Shopware 6 lässt sich das Konzept noch einen Schritt weitertragen und Ihre Mengenstaffelung flexibler gestalten.
Mit Varianten geben Sie Ihren Kunden die Wahl zwischen unterschiedlichen Stückzahlen, zum Beispiel 1 Stück, 2 Stück, 5 Stück oder 10 Stück. Für jede Variante hinterlegen Sie eine eigene Einzelpreisberechnung. Das gibt Ihnen Spielraum bei der Preisgestaltung und macht gestaffelte Mengenrabatte transparent sichtbar.
Ein konkretes Beispiel: Sie bieten ein Produkt in folgenden Varianten an. Einzelartikel für 90 Euro, 2er Set für 120 Euro (60 Euro pro Stück), 5er Set für 250 Euro (50 Euro pro Stück), 10er Set für 450 Euro (45 Euro pro Stück). Jede Variante erhält ihre eigene Verkaufseinheit und Grundeinheit, sodass der Kunde bei jeder Option sofort den Einzelpreis sieht.
Der Vorteil dieser Lösung liegt auf der Hand. Ihre Kunden entscheiden selbst, welche Menge sie benötigen, und sehen gleichzeitig, wie viel sie bei größeren Mengen sparen. Das schafft einen Kaufanreiz für höhere Stückzahlen und erhöht potenziell Ihren Warenkorbwert.
Für die Umsetzung legen Sie zunächst Ihr Hauptprodukt an und definieren dann die verschiedenen Mengen als Varianten. In jeder Variante passen Sie den Preis sowie die Verkaufseinheit entsprechend an. Die Produkteinheit und Grundeinheit bleiben dabei gleich, nur die Verkaufseinheit ändert sich je nach Menge. So erhält jede Variante automatisch die korrekte Einzelpreisberechnung.
Diese Methode eignet sich besonders für Produkte, die regelmäßig in unterschiedlichen Mengen gekauft werden, etwa Verbrauchsmaterialien, Artikel für Wiederverkäufer oder Produkte mit attraktiven Staffelpreisen.
Praxistipp: Wie diese Funktion auf Ihre Verkäufe wirkt
Die Einzelpreisberechnung ist mehr als eine Zusatzinformation. Sie ist ein verkaufspsychologisches Werkzeug. Wenn ein Kunde zunächst 120 Euro sieht, wirkt das in der Wahrnehmung nach viel. Sobald jedoch sichtbar wird, dass ein einzelnes Produkt sonst 90 Euro kostet und im Set nur 60 Euro pro Stück, relativiert sich der Preis sofort.
In der Praxis hat sich gezeigt, dass diese transparente Darstellung den Preisschmerz reduziert, Vertrauen schafft und sich messbar auf die Conversion auswirkt. Besonders bei höherpreisigen Produkten oder Mengenrabatten ist diese Funktion ein wirksamer Hebel, um Sets nicht als teurere, sondern als wirtschaftlich sinnvollere Option zu positionieren.
Fazit: Transparenz schafft Vertrauen und steigert Verkäufe
Die Einzelpreisberechnung für Produktsets ist in Shopware 6 vollständig mit Bordmitteln umsetzbar. Sie schaffen Transparenz, ohne ein zusätzliches Plugin zu installieren, und bleiben damit update-sicher und wartbar. Die Schritte sind überschaubar: Produkteinheit anlegen, Verkaufseinheit, Produkteinheit und Grundeinheit definieren, optional die Verpackungseinheit ergänzen, Cache leeren.
Das Ergebnis ist eine professionelle Preisdarstellung, die Ihren Kunden den tatsächlichen Mehrwert eines Sets sofort sichtbar macht. Damit positionieren Sie Ihre Sets nicht mehr als teurere Variante, sondern als die wirtschaftlich klügere Wahl. Bei komplexeren Set-Strukturen, kombinierten Varianten oder gestaffelten Mengenrabatten unterstütze ich Sie gern bei der sauberen Umsetzung.












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